5. Sachstandsbericht des IPCC veröffentlicht

Von Prof. Dr. Thomas Bruckner, Universität Leipzig

Die Stabilisierung der CO2-Konzentration erfordert eine klare Abkehr von der „Business-asusual“ Entwicklung. Je niedriger das Stabilisierungsziel liegt, desto kleiner ist das insgesamt zur Verfügung stehende Budget und desto schneller müssen die Emissione

Am 2. November 2014 wurde der Synthesebericht des 5. Sachstandsberichts des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) veröffentlicht. 

Mit diesem Band findet die Publikation der Ergebnisse der weltweit umfassendsten Analyse des aktuellen Standes der Erforschung des Klimawandels, seiner potentiellen Folgen und der Möglichkeiten, den Klimawandel zu begrenzen, nach mehrjähriger Arbeit ihren Abschluss. Prof. Dr. Thomas Bruckner, Direktor des Instituts für Infrastruktur und Ressourcenmanagement (IIRM) der Universität Leipzig, war als „Koordinierender Leitautor“ für die Erstellung des Kapitels „Energiesysteme“ im Band 3 (Climate Change 2014: Mitigation of Climate Change) des 5. Sachstandsberichtes verantwortlich.

Im Zentrum des 3. Bandes steht die Analyse der Optionen, mit deren Hilfe der globale Klimawandel zukünftig begrenzt werden kann. Im Zusammenhang mit der Erstellung des 3. Bandes wurden von den Autoren aus 58 Ländern nahezu 1200 publizierte Klimaschutzszenarien untersucht und etwa 10.000 Literaturquellen ausgewertet. Am Ende eines aufwändigen Begutachtungsprozesses, an dem mehr als 800 Wissenschaftler und Experten aus Ministerien von 37 Nationen teilnahmen, wurde dieser Teil des Berichtes nach vierjähriger Bearbeitungszeit im April 2014 veröffentlicht. Im Mittelpunkt der Analyse des 3. Bandes des 5. Sachstandsberichts (Assessment Report 5, AR5) stand die Frage, mit welchen technologischen Optionen und klimapolitischen Instrumenten sich die Veränderung der globalen Mitteltemperatur (im Vergleich zum vorindustriellen Niveau) auf einen Wert von weniger als 2°C begrenzen ließe, den die Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen auf ihrer Konferenz in Cancun im Jahre 2010 als einzuhaltenden Grenzwert festgelegt haben.

Wie im ersten Band des AR5 gezeigt wurde, gelingt dies mit einiger Wahrscheinlichkeit dann, wenn die (effektive) CO2-Konzentration auch langfristig einen Wert von etwa 450 ppm (430-480ppm) nicht überschreitet. Wie Klima- und CO2-Kreislaufmodellrechnungen zeigen, lässt sich ein vorgegebenes CO2-Konzentrationsniveau nur dann erreichen, wenn die für die Veränderung dieser Konzentration verantwortlichen CO2-Emissionen langfristig praktisch den Wert Null annehmen. Je niedriger die angestrebte CO2-Konzentration ist, desto kleiner ist das damit korrespondierende Budget der insgesamt zulässigen CO2- Emissionen – und desto schneller muss es gelingen, die Emissionen auf nahezu null zurückzuführen (vgl. Abb. 1). Szenarien, die in 2100 auf kosteneffiziente Weise eine Stabilisierung bei 450 ppm anstreben, zeichnen sich dadurch aus, dass die globalen anthropogenen Treibhausgasemissionen bis 2050 (bezogen auf 2010) um 40 % bis 70 % reduziert werden.

Viele der entsprechenden Szenarien zeigen eine temporäre Überschreitung des 450 ppm Wertes im Laufe des Jahrhunderts (sog. Overshoot). Je länger die Emissionen dem Business-as-usual Pfad folgen und je stärker das Overshooting ist, desto stärker müssen später Technologien herangezogen werden, die eine Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre erlauben. Hierzu gehört neben Aufforstungsmaßnahmen insbesondere der Einsatz von Biomasse in Anlagen, die CO2 abscheiden und anschließend der Endlagerung zuführen (sog. Bioenergy Carbon Capture and Storage – BECCS).

Wartet man mit weitergehenden Emissionsminderungsanstrengungen bis zum Jahr 2030, so steigen damit die Herausforderungen deutlich an, die mit der Erreichung des 2°C-Zieles verbunden sind. Zu nennen sind hier deutlich höhere jährliche Emissionsreduktionsraten in der Zeit danach (insbesondere zwischen 2030 und 2050), ein schnellerer Ausbau emissionsarmer Technologien (zu denen neben erneuerbaren Energien, die Kernkraft und CCS-Anlagen gezählt werden), eine stärkere Heranziehung von Techniken, die CO2 aus der Atmosphäre entfernen, und nicht zuletzt höhere Emissionsreduktionskosten, als sie im kosteneffektiven Fall zu erwarten wären.

Die im Zusammenhang mit der 2°CStrategie zu tragenden Kosten sind unsicher. Betrachtet man ausschließlich die Vermeidungskosten, d. h. nur die Kosten der Emissionsreduktion (ohne sog. Co-Benefits und ohne vermiedene Klimaschäden gegenzurechnen), so ist nach den Ergebnissen der in der IPCCDatenbank enthaltenen Szenarien eine Reduktion des jährlichen Wachstums des privaten Konsums in einer Größenordnung von 0,04 bis 0,14 %-Punkten zu erwarten, was mit einem mittleren Wachstum des Konsums von jährlich 1,6 % bis 3 % zu vergleichen ist. Mit anderen Worten: Effektiver und ehrgeiziger Klimaschutz kostet (zumindest anfänglich) Geld – von einer erheblichen Beeinträchtigung der globalen Wohlfahrt kann aber keine Rede sein. 

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