Energie & Logistik

Eine Betrachtung von Dr. Karl-Michael Meiß

Stellhebel zur Reduktion der THGEmissionen und Einsatz von Erneuerbarer Energien (vgl. [3])

Gründungsnetzwerke, nicht nur in Mitteldeutschland, nennen den Bereich Logistik immer im Zusammenhang mit Mobilität und Energie (vgl. [1]). Das ist auch nicht verwunderlich, da Logistik die Mobilität und Verfügbarkeit von Waren und Dienstleistungen sichert. Der Begriff Logistik soll im Weiteren diese Bereiche mit abdecken.

Eines der Schlüsselinstitutionen für eine nachhaltige und energiereduzierte Logistik sitzt in Magdeburg: das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und - Automatisierung (IFF). Das Institut schätzt die Zukunft der Logistikbranche, gleichlautend zur Bundesvereinigung Logistik e. V. (BVL), als gut bis sehr gut ein. Zuwächse von durchschnittlich ca. 5 % p.a. bezogen auf die Transportleistung müssten damit erreicht werden. In diesem Zuwachs liegen die zu lösenden Kernpunkte: Steigende Preise, speziell für Energie, und die Erwartung der Auftraggeber, immerwährender Verfügbarkeit der Transportleistung unabhängig vom Standort. Dazu kommt die Forderung von Endkunden, ein nachhaltiges, umweltverträgliches Produkt zu erhalten, einschließlich der damit verbundenen Dienstleistungen. Der Sektor „Transport und Logistik“ hat einen Anteil von 23 % an den gesamten globalen CO2-Emissionen. Aktuell ist eine stärkere Zunahme (ca.40 %) an Treibhausgas-Emissionen aus Transport und Logistik im Vergleich mit den anderen Sektoren festzustellen. [4] Aus der Grafik kann entnommen werden, dass trotz der Verbesserung des spezifischen Verbrauchs (tkm) die Güterverkehrsleistung auf knapp 120 % zugenommen hat, mit steigender Tendenz. Damit wird der technische Fortschritt überkompensiert (vgl. [2]) und führt insgesamt zu höheren CO2-Emissionen verbunden mit erhöhtem Energieverbrauch. Diesen Zusammenhang untermauert auch die OECD-Schätzung, dass ein 1 %-iger Anstieg des Handels ca. 0,6 % mehr Energieverbrauch nach sich zieht. Lösungsansätze zur Emissions- Verminderung kommen aus verbesserten Energieverwertungssystemen (bessere Wirkungsgrade, besserer spezifischer Verbrauch) [6], der aber durch erhöhtes Logistikvolumen kompensiert wird. Eine immer perfekter werdende Kommunikation und Vernetzung der Logistik ermöglicht, entgegen dem Trend, die THG-Emissionen zu überkompensieren. Unter den Begriffen Industrie 4.0 bzw. Smart Fabrication & Logistics lassen sich diese Ansätze zusammenfassen. Laut Prof. Dr. Michael Schenk (IFF), kommt es immer auf die richtige Verknüpfung der technischen Lösungen an. Intelligente Logistik- Infrastrukturen liefern die Informationen, um mittels Virtual-Reality-Anwendungen eine energieeffiziente Standortplanung bei der Entwicklung von Konzepten zu ermöglichen. Moderne Erfassungstechnik in Verbindung mit digitaler Verarbeitung zur Planung und Steuerung (z.B. SAP-Module wie MM, PP etc.) sind ein Beispiel für die mögliche fundamentale Verbesserung. Ein anderes Beispiel, präsentiert auf der Innotrans 2002 basierend auf Daten der „Leipziger Fahrzeug Service Betriebe“, ist eine Simulation, die den ressourcenschonenden, optimalen Einsatz der Werkstatt Heiterblick abbildete, unter Einbeziehung des SAP-System. Ziel war es, eine Bahnenverfügbarkeit von 97 % zu ermöglichen unter Beachtung der verfügbaren z.B. Werkerplätze, Personalressourcen/-qualifikationen und deren Zuständigkeiten usw. Gleichzeitig konnte der Energieverbrauch gesenkt werden u.a. durch die Vollauslastung der Arbeitsstationen. Diese Ergebnisse heute mit Erneuerbaren Energien zu kombinieren und in die Optimierung zu integrieren, würde zu erheblicher CO2-Minderung beitragen. Welche regionalen Auswirkungen sinkende Transportkosten volkswirtschaftlich haben, stellt die „New Economic Geography“ (NEG) so dar: Der Austausch von Waren und Dienstleitungen wird sich zwischen Metropolen verstärken. Gebiete, die bisher wirtschaftlich schwach waren, werden von geringen Transportkosten eher benachteiligt und von weiterer Entwicklung abgeschnitten. In der NEG beeinflussen Transportkosten zu einem wesentlichen Teil Handelsbeziehungen und die regionale Verteilung der Wertschöpfung. Die Kern-Peripherie- Modelle der NEG zeigen sinkende Transportkosten eingehend mit einer stärkeren regionalen Ungleichverteilung. Es bilden sich wichtige profitierende Kernpunkte, mit höchster wirtschaftlicher Aktivität, andere Regionen hingegen veröden wirtschaftlich. Das liegt möglicherweise nicht nur an rein technisch-logistischen Gegebenheit sondern auch an darüber hinaus bestehenden vertraglichen Bindungen. Bestes Beispiel dieser multikriteriellen Situation sind die aktuellen Diskussionen um Standortvor- bzw. -nachteile rum das Transnationale Freihandelsabkommen (TTIP), deren Verhandlungsausgang enorme Auswirkungen auf die Logistikbranche haben wird. Bezogen auf Mitteldeutschland heißt das für die Akteure, sich wirtschaftlich nicht abhängen zu lassen und verstärkt in F&E zu investieren, um Vorteile weiter auszubauen. Unter diesem Blickwinkel erhält das Handels-Drehkreuz Leipzig-Halle, u.a. mit DHL, fast ein Alleinstellungsmerkmal für die Region, das Synergien mit Erneuerbaren Energien suchen müsste. Und jetzt bekommen Begriffe wie Energieeffizienz, CO2- Minimierung, intelligente Steuerung und Regelung (Smart Grid usw.)[5] eine weitere Bedeutung für die Logistikbranche und den Standort Mitteldeutschland. Das Beispiel Sachsen-Anhalt als eines der Vorreiter in der Erzeugung Erneuerbaren Energien zeigt Möglichkeiten, die sich für die Logistikbranche der Region ergeben können: Die Nutzung dieser Energie gekoppelt mit Kostenvorteilen und einer drastischen, bilanziellen Reduktion von THG-Emissionen. Ein Szenario wäre die komplette Nutzung dieser Energie für die Logistikbranche. Dazu bedarf es natürlich weiterer Investitionen in Antriebe, Speicher und Immobilientechnik. Auf der Basis von Vollkosten-Rechnungen, die im Rahmen von Langfristbetrachtungen immer genutzt werden sollten, lassen sich die Langfristeffekte demonstrieren. In der Vollkostenrech nung werden die Gemeinkosten auf die einzelnen Verfahren anteilig umgelegt. Folgende Maßnahmen vermindern insgesamt die Emissionen:

  • Technologie (z.B. Antriebe, Gewichtsreduktion, Aerodynamik),
  • Operatives (z.B. Fahrerverhalten, modale Verlagerung, smart planning),
  • Organisatorisches (z.B. Touren-, Standortoptimierung, Bündelung unter Einsatz von smart IT),
  • Politik (z.B. Emissionshandel, Öko- Steuer, Tempolimits, Anreizsysteme wie Sachsen-Anhalt Klima) und
  •  Aufklärung (z.B. Energiemanagementsysteme, Zertifizierung). Das Öko-Institut e. V. sowie das DLRInstitut für Verkehrsforschung schließen daraus: eine Minderung der Emissionen des Transportsektors wird realisiert, wenn sich klimafreundliche Lösungen in der Breite durchsetzen. Die sogenannte 3 x 3 x 3 Matrix (Produzent, Carrier, Logistiker) x (Transport, Intralogistik, Logistikimmobilie) x (Technologie, Betrieb, Organisation) demonstrieren eine Struktur, die durch Erneuerbare Energien unterstützt werden können, die THG-Emissionen zu reduzieren. Innerhalb der Matrix sind enorme Verminderungspotentiale möglich, weitere zwischen den Matrixelementen. Die Potentialkarte zeigt die Einordnung von Maßnahmen unter Beachtung von Investition und THG-Verminderung. Der mögliche Einsatz Erneuerbarer ist grün gekennzeichnet. Aufgrund des hohen Energieerzeugungsgrades und des Potentials der Erneuerbaren, wären an vielen Stellen auch mit kleineren Investitionen praktikable und CO2-mindernde Logistik möglich.
Resümee:

Es gibt viele Stellschrauben in der Logistik, in denen Erneuerbare Energie herkömmliche Energiequellen ersetzen können und damit die sektorverursachten THG-Emissionen reduzieren. Kostenersparnisse lassen sich zusätzlich durch den Austausch ineffizienter Technik erreichen. Durch den Einsatz von intelligenter IT zur Vermeidung unnötiger Leerfahrten ist eine der größten Einsparpositionen und damit Kosten- und Energieverbrauchssenker. Die direkte Nutzung Erneuerbarer Energie könnte als Standortvorteil Mitteldeutschlands ausgebaut werden. Mit dem politischen Willen und einer verlässlichen Energiepolitik ergeben sich für die weitere Entwicklung folgende Empfehlungen:

  • Anreiz-Systeme entwickeln für eine Klimafreundliche Logistik und Erneuerbarer Energien,
  • prüfen, ob mit geringinvestiven
  • Maßnahmen bestehende Erneuerbarer Energien eingebunden werden können, Branchengleichheit schaffen bei den Klimazielen,
  • einheitliche Transparenz bei Klimawirksamkeit von Produkten,
  • einheitliche Integration in die Prinzipien sozialer Marktwirtschaft und Förderung der F&E und Innovationen sowie der Internalisierung der Klimawirkung. 

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