Qualifizierte Arbeitskräfte und zukunftsträchtiges Know-how

Minister Thomas Webel, Sachsen-Anhalt, zu Schwerpunktprojekten im Bereich Logistik

Hanse-Terminal am Magdeburger Hafen Foto: © mlv.sachsen-anhalt

Leistungsfähige, umwelt- und sozialverträgliche Mobilitäts-, Verkehrs- und Logistiksysteme stellen die wichtigsten Infrastrukturbausteine für ein Land dar. Sie sind eine entscheidende Voraussetzung für die wirtschaftliche Wertschöpfung, den materiellen Wohlstand, aber auch für die soziale Basis unserer Gesellschaft. 

Gängige verkehrswissenschaftliche Prognosen erwarten bis 2030 einen enormen Anstieg der Verkehrsleistung gegenüber 2010. Doch nicht nur wegen des zu erwartenden dynamischen Wachstums der Güterströme und des gestiegenen Mobilitätsbedarfs steht die Logistikwirtschaft künftig vor enormen Herausforderungen. Auch steigende Energiepreise, eine sich abzeichnende Rohstoff- und Energieverknappung, oder die stärker werdenden Forderungen der Verbraucher nach umweltfreundlichen Lösungen erfordern die Entwicklung effizienter, nachhaltiger und versorgungssicherer Logistikansätze.

Ebenso brauchen die Auswirkungen der demographischen Entwicklung neue Denkansätze zur Gewinnung von Nachwuchskräften bzw. zur Behebung des Fachkräftemangels. Und nicht zuletzt zeigen die weltweit aufgetretenen Naturkatastrophen, welche Risiken und damit verbundene Auswirkungen sich entlang der logistischen Wertschöpfungskette plötzlich ergeben können und dass deshalb zukünftig verstärkt auch Fragen der Sicherheit bzw. eines entsprechenden Risikomanagements auf der Agenda der Logistik stehen müssen. All diese Kriterien werden zusammengenommen zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbs- und Erfolgsfaktor für Regionen und Unternehmen. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die Anwendung des funkgesteuerten „Pick-By- Voice“ Verfahrens im kürzlich eröffneten Logistik- und Verwaltungskomplex des Lebensmitteldiscounters Norma in Magdeburg-Rothensee. Mit diesem Verfahren wird benötigte Ware durch Sprachkommunikation mit dem Lagercomputer artikelgenau zusammengestellt. In Halle wiederum entsteht gegenwärtig ebenfalls ein topmodernes Logistikzentrum der Firma Finsterwalder, dessen Investitionsvolumen mit 15 Mio. Euro die bisher größte Einzelinvestition des Unternehmens darstellt und zugleich für die Bedeutung der Mitteldeutschen Logistikregion um Halle/Leipzig spricht, in der inzwischen ca. 160.000 Arbeitskräfte in der Logistik oder im Handel beschäftigt sind.

Diese Aktivitäten unterstreichen zweifellos die gewachsene Bedeutung Sachsen-Anhalts als attraktiver Logistikstandort. Mit seiner modernen Infrastruktur, mit erstklassigen Universitäten bzw. mit einer einmaligen Forschungslandschaft sowie zahlreichen Innovations- und Gründungszentren bietet er wichtige Standortvorteile und verfügt damit zugleich über ein umfangreiches Potenzial an qualifizierten Arbeitskräften und zukunftsträchtigem Know-how. Für die weitere Entwicklung des Logistikstandortes legt das Land neben dem Bau (Autobahn A 14) und der Sanierung von Straßen insbesondere Wert auf die Stärkung der ökologischen Verkehrsträger Bahn und Binnenschiff. Mit deren konsequentem Ausbau sowie qualitativ hochwertigen Vernetzung soll mit der Entwicklung des Gesamtsystems Logistik Schritt gehalten werden.

Vor diesem Hintergrund hat Sachsen- Anhalt zunächst mit der Sicherung der Bereitstellung von Finanzmitteln die Umsetzung des für die Logistik bedeutsamen Schienengüterverkehrskorridors Ost und den inzwischen begonnenen Neubau der Zugbildungsanlage in Halle ermöglicht, von der vor allem eine Stärkung des Schienengüterverkehrs im mitteldeutschen Raum mit seinen Chemiestandorten erwartet wird. Weiterhin wurden vom Land im Rahmen der aktuellen EFRE-Strukturfondsperiode 2014 bis 2020 Schwerpunkte auf den Bau und Ausbau des regionalen Schienengüterverkehrs, die Entwicklung und den Einsatz einer Elbe-Container-Barge sowie die Entwicklung bzw. den Einsatz innovativer und energieeffizienterer Umschlagsysteme sowie logistischer Schnittstellen gesetzt. Damit soll eine gezielte Beseitigung von infrastrukturellen Hemmnissen erreicht, die Leistungs- bzw. Wettbewerbsfähigkeit dieses Verkehrsträgers am Güterverkehrsmarkt verbessert und zugleich eine wesentlichen Senkung von Schadstoffemissionen sowie Stärkung der Ressourceneffizienz im Verkehrsbereich erreicht werden. Für die Umsetzung stehen dem Land nach jetzigem Stand ca. 25 Mio. Euro zur Verfügung.

Ein wesentlicher Schwerpunkt wird vom Land insbesondere auch in der Entwicklung neuer ressourcenschonender Antriebskonzepte und hierbei vor allem in der Elektromobilität bzw. in den intelligenten Verkehrssystemen (IVS) gesehen. Vor diesem Hintergrund wird mit der Landesinitiative „Angewandte Verkehrsforschung/Galileo-Transport Sachsen-Anhalt“ ein wichtiger Akzent in der elektromobilitätsbezogenen Verkehrs- und Logistikforschung gesetzt. Ebenso wird mit dem IVS-Rahmenplan ein Leitbild für die Einführung und den Einsatz Intelligenter Verkehrssysteme im Land bis 2020 geschaffen.

Letztendlich spiegeln sich diese Schwerpunkte auch im überarbeiteten Logistikkonzept des Landes wider und bilden zusammen mit den anderen Maßnahmen des Konzeptes unseren Ansatz zur Weiterentwicklung des Logistikstandortes Sachsen-Anhalt sowie zur effizienteren und umweltgerechteren Gestaltung der Wirtschaftsverkehre. 

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