Auf dem Weg zu Innovationen

Industrie und Kreativwirtschaft im Ideenaustausch Gespräch mit Ivo Zibulla, Kreatives Leipzig e.V.

v.l.n.r. Ivo Zibulla (Kreatives Leipzig e. V.). Anja Dünnebier (Wir gestalten Dresden e. V.), Frank Müller (Kreatives Chemnitz e. V.) Foto (2): Kreatives Leipzig e.V.
v.l.n.r. Ivo Zibulla (Kreatives Leipzig e. V.). Anja Dünnebier (Wir gestalten Dresden e. V.), Frank Müller (Kreatives Chemnitz e. V.) Foto (2): Kreatives Leipzig e.V.

Rund 150 Vertreter aus Politik, Industrie und Kreativwirtschaft trafen sich in der Hochschule für Bildende Künste Dresden, um gemeinsam der Frage nachzugehen: Welche kreativen Potenziale gibt es in Sachsen und wie lassen sich diese für Innovationen in der Industrie nutzen?

Dieses Innovationsforum war das dritte seiner Art, das von futureSAX, einem Projekt des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, durchgeführt wurde. Unter dem Motto „Gemeinsam erfolgreich im Innovationsprozess – Industrie trifft Kreativwirtschaft“ sprachen Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Forschung und Industrie über neue Innovationsansätze und -trends.

Neben Vorträgen gab es verschiedene Workshops, die von Praktikern und renommierten Wissenschaftlern geleitet wurden. Sie beschäftigten sich unter anderem mit den Themen der funktionalen Gestaltung von Produkten als Wettbewerbsvorteil und der Förderung von Unternehmenszielen durch künstlerisch-kreative Ansätze.

In diesem Rahmen stellten die Branchenverbände „Kreatives Leipzig“, „Kreatives Chemnitz“ und „Wir gestalten Dresden“ Beispiele für erfolgreiche Aktivitäten im Bereich Kultur- und Kreativwirtschaft und ausgewählte Projekte ihrer Mitglieder vor. Denkanstöße gab Prof. Dr. Diane Robers von der European Business School aus Oestrich-Winkel, die über die bessere Nutzung von bestehenden Potenzialen in Sachsen sprach. Jochen Gürtler von der „School of Design Thinking“ am Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam zeigte Wege auf, wie Innovationen und neue kreative Ansätze in ein Unternehmen kommen können.

Nach dem Workshop sprachen wir mit Ivo Zibulla, Vorsitzender von Kreatives Leipzig e.V.

Der Verein Kreatives Leipzig hat sich an diesem sächsischen Ideenaustausch in Dresden beteiligt. Wie man hörte, stellen sich die Mitglieder in diesen Tagen und Wochen auch insgesamt neu auf, um ihre Interessen in dem sich ständig wandelnden Umfeld weiter gut vertreten zu können.
Das ist richtig. Der Verein möchte nicht mehr in erster Linie Existenzgründern und Kleinunternehmern der Kreativwirtschaft Wissen vermitteln, sondern peu a peu zu einem Branchenverbund werden, der die ganze Breite der Leipziger Kreativwirtschaft vertreten kann. Konkret heißt das: Wir werden nicht mehr ausschließlich nur Akteure untereinander vernetzen oder praktisches Wissen für die erfolgreiche Tätigkeit in der Kreativwirtschaft vermitteln – das erledigen andere spezialisierte Anbieter besser – sondern uns künftig verstärkt um die Rahmenbedingungen kümmern, in denen unsere Arbeit erfolgt. Als Stichworte nenne ich hier beispielhaft „Künstlersozialkasse“ oder „Anpassung der Fördermittelverwendung des Landes Sachsen“. Dazu erfolgen derzeit innerhalb des Vereins strategische Neuausrichtungen.

Für das Anpacken so großer Themen braucht es Verbündete. Da ist Kreatives Leipzig e. V. schon dran. Der Verein will seinen Beitrag zur Lobbyarbeit für die Kreativwirtschaft geben. Konkret bedeutet das für uns: Pflege und Ausbau des Netzwerkes im Freistaat Sachsen, z.B. mit den Akteuren in Dresden und Chemnitz. Ein nächster Schritt kann die bundesweite Vernetzung sein. Wir diskutieren für unsere Branchenakteure relevanten Themen auf Workshops oder bei Veranstaltungen, auf denen sich die Vertreter der einzelnen Branchenverbände treffen. Dann gehen wir mit gemeinsamen Zielsetzungen an die konkrete Umsetzung vor Ort. Auf Landesebene wollen wir die konstruktiven Kontakte zu den für uns relevanten Sächsischen Staatsministerien weiter ausbauen.

Wie schätzen Sie die Haltung der Ministerien zur Kreativwirtschaft ein? Wir haben im Verbund mit Kreatives Chemnitz e. V. und Wir gestalten Dresden e. V. im August diesen Jahres ein gemeinsames Positionspapier dazu veröffentlicht, wie man die Richtlinien des EURegionalfonds EFRE umformen sollte, damit sie auch der Kreativwirtschaft zugute kommt. In Reaktion auf dieses Schreiben sind Gespräche mit den zuständigen Ministerien erfolgt. Mein bisheriger Eindruck bei diesen Gesprächen ist: Offenheit und Respekt vor den Bedürfnissen der Kreativwirtschaftsakteure. Wir sind zuversichtlich, dass hier beide Seiten voneinander profitieren werden. Zwei weitere Aktivitäten möchte ich noch erwähnen: Die IHK Chemnitz bereitet eine repräsentative Umfrage über die aktuellen Zustände der Kreativwirtschaftsakteure in Sachsen vor. Wir haben hier wieder im Branchenverbund am Aufbau des Fragebogens beratend mitgewirkt. Mit der Sächsischen Aufbaubank sind wir in Gesprächen zu Anpassungen der Fördermöglichkeiten jenseits der klassischen Unternehmen und KMUs. Viele Kreativwirtschaftler sind Einzelunternehmen oder Kleinstunternehmen, die sich in flexiblen Projektstrukturen bewegen. Dadurch brauchen diese Akteure völlig andere Fördermodelle.

Leipzig hat eine breite und vitale Kulturszene. Wo ordnen Sie Ihren Verein derzeit ein? Wir sprechen zurzeit andere Verbände an, die Teilbranchen innerhalb der Bundesdefinition von Kreativwirtschaft repräsentieren. So sprechen wir z.B. gerade mit dem BBKL e. V. über eine gegenseitige Fördermitgliedschaft. Das hat für beide Seiten Vorteile: Zum einen haben wir für die jeweilige Teilbranche einen „Katalysator“, der uns branchenspezifische Probleme mitteilen kann, die wir wiederum bei unserer Lobbyarbeit nutzen können. Gleichzeitig wird in der Branche somit unsere Tätigkeit besser kommuniziert. Für den „Vertreter“ der Teilbranche bietet sich eine zusätzliche Möglichkeit, Interessen politisch zu positionieren. Wir finden es sinnvoll, wenn sich auf das Wesentliche konzentriert und zudem miteinander kommuniziert wird.

Die Fragen stellte Moritz Jähnig

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