Die Kreativwirtschaft schafft Netzwerke

Ein stetig wachsender Wirtschaftzweig auf kommunaler, Landes- und Bundesebene

Im Gespräch die PreisträgerInnen der vergangenen Jahre: Jeong Hong Oh von„The Dark Horse“, Milena Glimbovski von „Original Unverpackt“ und Jakub Kopinski von FAHRER (v.l.n.r.) Foto: Juliane Schröder, Regionalbüro SN,ST & TH

Seit Mitte Februar 2014 hat die Regionalstelle für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen des Kompetenzzentrums für Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes eine neue Ansprechpartnerin. Nadine Weise studierte Kulturwissenschaft, Betriebswirtschaftslehre, Kommunikations- und Medienwissenschaften und hat zahlreiche Erfahrungen in ihrem Berufsleben in der Kreativwirtschaft gesammelt. Besonders jene praktisch erworbene Kompetenz kann ihr in ihrer neuen Tätigkeit von Nutzen sein. Sie wird viel unterwegs sein, um in drei Bundesländern Kultur- und Kreativwirtschaftlern unterstützend zur Seite zu stehen. „Gerade in ländlicheren Regionen“, sagt sie, „sind große Entfernungen zu bewältigen und die Entwicklung von partnerschaftlichen Netzwerken komplexer in der Organisation“. Doch diesen Herausforderungen will sie sich gerne stellen und die gute Arbeit ihrer Vorgängerin Katja Großer fortsetzen.

Nun hatte Nadine Weise im Mai die interessierten Kultur- und Kreativwirtschaftler ins „plan b – kulturkaffee“ in Leipzig eingeladen. Locker beginnt sie den Abend mit aktuellen Nachrichten. Ganz frisch war die Information, dass die seit 2010 existierenden Regionalbüros des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes bis 2015 gefördert werden und damit ihre Arbeit fortsetzen können. Und nicht zuletzt nutze Nadine Weise die Gunst der Stunde, um Elisabeth Hauck[1], die Ansprechpartnerin der neu geschaffenen Kontaktstelle für Medien- und Kreativwirt schaft der Stadt Leipzig, vorzustellen. Dank des Förderprogramms „Creative Cities“ und mit der Unterstützung anderer europäischer Partner konnte die Kontaktstelle der Medien- und Kreativwirtschaft eingerichtet werden. Zielsetzung ist die kommunikative Vernetzung der vielfältigen Handlungsebenen des Clusters. Die Einrichtung einer interaktiven Website kann zu einem geeigneten Instrument der Kontaktstelle werden. Damit sollten Informationen aus und für die Kreativwirtschaft gebündelt und der Zielgruppe und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. In Kooperation mit dem Content-Partner dem Verein „Kreatives Leipzig“ wird diese Online- Plattform weiter entwickelt und betreut. Nach diesen wichtigen Neuigkeiten folgten Informationen über das aktuelle Programm und die Serviceleistungen des Kompetenzzentrums. In ihren einführenden Worten lieferte Nadine Weise dem Auditorium aktuelle statistische Daten zur Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft auf Bundesebene. Aktuell erzielt die Branche Umsätze von rund 143 Mrd. u.a. auf dem digitalen Markt. 97 Prozent der Kultur- und Kreativwirtschaft sind Kleinstunternehmen und rund 247.000 Freiberufler zählt die Statistik. Ein zweiter Programmpunkt der Tagesordnung war ein Gesprächsforum zum Bundeswettbewerb der Kultur- und Kreativpiloten. Für die bundesweite Auszeichnung für „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland 2014“ wurden erneut kreative Ideen und Köpfe gesucht, die unternehmerisch durchstarten möchten. Der Preis kann sich sehen lassen, denn neben dem Image- und Öffentlichkeitsgewinn gibt es ein Jahr unternehmerisches Coaching mit Workshops, den Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten und die Begleitung durch Mentoren. Um aus der Praxis mehr darüber zu erfahren, hatten sich drei Vertreter von Unternehmen bereits ausgezeichneter Kultur- und Kreativpiloten auf der Bühne eingefunden. Das waren Milena Glimbovski, die mit der Idee „Original Unverpackt“ unser Einkaufsverhalten ändern könnte, Jeong Hong Oh von der - ohne Hierarchie auskommenden - 33-köpfigen Design-Thinking-Agentur „The Dark Horse“ und Jakub Kopinski von der Manufaktur FAHRER, einem Produzenten von Upcycling-Produkten für Fahrräder.

Milena Glimbovski erzählte von den großen Schwierigkeiten für sie und ihre Partnerinnen, einen geeigneten und vor allem bezahlbaren Laden in Berlin zu finden. Daraufhin entwickelten sie eine Crowdfunding- Kampagne um eine existentielle Summe, in dem Fall waren es 20.000 EUR, als Startkapital zu generieren. Doch die Resonanz auf ihre Idee, einen Supermarkt zu eröffnen, der ohne Verpackungen auskommt, hatte mit der Summe von 108.750 EUR die Erwartungen der Kreativpilotinnen sehr weit übertroffen. Jakub Kubinski von FAHRER legt nicht nur Wert auf das Upcycling, also das Verarbeiten von gebrauchten Materialien, wie Riesenpostern, LKWPlanen und Bootspersennings oder auf Design und Funktion, sondern insbesondere auf eine regionale und sozial engagierte Herstellung. Deshalb arbeitet FAHRER mit Werkstätten für behinderte Menschen in Berlin und Brandenburg zusammen.  

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