Kreative Räume in der Region Leipzig

Herausforderungen und Potentiale kultur- und kreativwirtschaftlicher Immobiliennutzung

Shared-Space-Office bei detekor.fm, Foto: Christian Rost

Für die Kultur- und Kreativwirtschaft in der Region Leipzig sind die wirtschaftlichen Fakten beeindruckend. Im Jahr 2012 waren hier etwa 5.700 Unternehmen, Freiberuflich Tätige und Soloselbstständige in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig. Zudem bot die Branche ca. 30.550 Erwerbstätigen die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Dabei erwirtschaftete die Kultur- und Kreativwirtschaft einen Beitrag zur Gewerbesteuer von insgesamt mehr als 15 Millionen Euro.

Besonders charakteristisch für die heterogene Branche, ist die kleinteilige Unternehmensstruktur. So sind auf Bundesebene 97% aller Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft den Kleinst- und Kleinunternehmen zuzuordnen. Jenseits dieser Statistiken und der beeindruckenden Zahlen, stellt gerade die Kleinteiligkeit der Branche, Städte wie Leipzig vor neue Herausforderungen.

Als Beispiel sei hier nur auf die Instrumente der Innovations- und Außenwirtschaftsförderung verwiesen, welche aufgrund der benannten Strukturen sowie der geringen Kapitalausstattung, den meisten Unternehmen der Branche de facto nicht zur Verfügung stehen. 

Die Schwierigkeiten betreffen aber auch immer wieder die räumlichen Anforderungen der Branchenakteure. Die Grundlagen für den wirtschaftlichen Erfolg in der Kultur- und Kreativwirtschaft bilden temporäre, projektorientierte Kooperationen innerhalb der kreativen Szenen.  Ein flexibles und kostengünstiges Raumangebot bietet hierfür die Basis. Städte profitieren dabei insbesondere durch die Interaktion zwischen den Vertretern der Kultur- und Kreativwirtschaft und anderen Branchen sowie durch ein urbanes und kreatives Umfeld als attraktive Standortfaktoren für Ansiedlungsinteressenten.

Grundsätzlich gilt jedoch: es muss genug kreativer Freiraum für die Branchenakteure vorhanden sein, um vor Ort positive Entwicklungschancen für die Zukunftsbranche Kultur- und Kreativwirtschaft zu eröffnen. Beispiele wie München und Hamburg zeigen, dass sich die Akteure und damit das innovative Potential aufgrund explodierender Immobilienpreise und fehlender Alternativen schnell neu orientieren.

Auch die Region Leipzig ist hier gefragt, die noch vorhandene Standortvorteile, trotz des in den letzten Jahren gestiegenen Verwertungsdrucks zu bewahren.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft  selbst, welche laut einiger Studien innovativer ist als andere Wirtschaftszweige, bietet hierfür heute schon interessante Lösungen mit Vorbildcharakter.

So gibt es Erbpachtmodelle, bei denen städtische Immobilien kultur- und kreativwirtschaftlichen Nutzergruppen überlassen werden oder ehemalige Fabrikgelände, die durch den Eigentümer speziell für die Bedarfe der Branchenakteure niederschwellig saniert und angeboten werden. 

Einen anderen Lösungsansatz bietet das sogenannte shared-space-Modell. Bei detektor.fm, einem Mitglied von Kreatives Leipzig e. V., erhalten so z. B. freie JournalistInnen einen Arbeitsplatz und die Möglichkeit bei einem der renommiertesten Onlineradiosender Deutschlands ihre Beiträge zu schalten. Das besondere dabei ist, dass die zumeist freien Journalistinnen kostenfrei die Redaktionsräume des Radios nutzen können. Als Gegenleistung werden verschiedene Beiträge auch für das Programm von detektor.fm zur Verfügung gestellt. Durch dieses Modell profitieren letztendlich beide Partner. Der Radiosender kann seine Flächen flexibler und effektiver nutzen und erhält im Gegenzug Inhalt für sein Programm.

Der Verein Kreatives Leipzig wird sich auch in 2014 für die Belange und Bedarfe der Kultur- und Kreativwirtschaft in Leipzig einsetzen. Hierzu sind neben den bereits etablierten Veranstaltungsreihen Web-Montag und FO.DO (Foto-Donnerstag) weitere Veranstaltungen geplant. Darüber hinaus wird der Branchenverband zusammen mit den Kreativwirtschaftsverbänden „Kreatives Chemnitz“ und „Wir gestalten Dresden“ auch weiterhin  auf Landesebene die Interessen der Branchenakteure vertreten.

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